14/06/13 - Zweites Semester an der SNU

Es ist Mitte Juni und das zweite Semester hier an der SNU ist vorbei. Zwar muss ich  noch eine Klausur schreiben und es findet eine Geographie-Konferenz statt, die in diesem Jahr von unserem Fachbereich durchgeführt wird, aber die Seminare sind allesamt abgehackt. Ich glaube, dass ich meine Kurse sehr gut gewählt habe.

Der erste Kurs war Verkehrsgeographie, geführt von einem emeritierten Geo-Prof. Über das Semester verteilt bekamen wir mehrere Analysemethoden vorgestellt, die wir dann in kurzen Recherche-Aufgaben anwenden sollten. So wurden wir mit den wichtigsten Methoden der Verkehrsgeographie vertraut. Außerdem musste immer jemand einen wissenschaftlichen Artikel zusammen und vor der Klasse vortragen. Das tat ich auch immer komplett auf Koreanisch. Ich glaube, dass das den Prof sehr beeindruckt hat.
Im zweiten Kurs ging es um Kartographie. Ich hatte erwartet, dass wir viel mit ArcGis (spezielle Kartenerstellungssoftware) arbeiten und Karten erstellen. Dabei war es mehr eine Vertiefung des Statistik-Kurses aus dem letzten Semester. Aber so lernten wir, wie man die gelernten Statistikverfahren räumlich anwenden kann. Der Prof hatte große Pläne mit uns, aber weil es doch sehr schwer ist, sind wir nicht sehr weit gekommen. Trotzdem war es ein gutes Seminar bei einem tollen Professor.
Der dritte Kurs war auf Englisch beim niederländischen Professor aus unserem Fachbereich. Das Thema war Sozialgeographie und wir befassten uns mit Gesundheit, Geschlechtern und einer Reihe von Fallbeispielen. Ich schrieb hier eine Hausarbeit über Überschwemmungen in Dhaka (Bangladesch). Obwohl bei den Geschehnissen in Europa, hätte ich auch über die Flut in Deutschland schreiben können.
Nebenbei hatte ich einmal die Woche eine Beratung über wie man wissenschaftliche Texte auf Koreanisch schreibt. Das war ein kostenloses Angebot für internationale Studenten und ich lernte sehr viel. Mit einer Lehrerin konnte ich meine koreanischen Texte durchgehen. So hörten sich die Texte nicht mehr wie die eines 8-jährigen an (sondern eher wie die eines 9-jährigen^^).  

Jetzt fangen die Semesterferien an. Die knapp 3 Monate werden ich mit einem Praktikum verbringen. Darüber werde ich zu gegebener Zeit mehr in einem anderen Beitrag erzählen.

09/06/12 - Frisuren Online Kaufen, ein Muss in Korea

Heute war ich mit meiner Freundin in der Nähe von der Ewha Universität. Dort gibt es sehr viele Kleiderläden und Friseursalons. Deswegen riet ich meiner Freundin die Gelegenheit zu nutzen und sich die Haare schneiden zu lassen. Das hat sie nämlich seit Jahren nicht mehr gemacht (OK, die Spitzen ließ sie sich ein paar Mal schneiden). Bei der großen Auswahl an Friseuren sollte sich doch bestimmt etwas Gutes finden, dachte ich. In der Nachbarschaft ist auch der Friseurladen, für den ich 2009 gemodelt hatte.

Nach viel Überlegerei gingen wir in einen Laden und dort kostete der Haarschnitt mit kompletten Drum und Dran (ja, ich bin ein Mann) 120,000 KRW. Das sind gute 80 Euro. Vorher hatte meine Freundin den Laden im Internet angeschaut und dort waren die Preise viel niedriger. Um die Hälfte war es sogar billiger als der genannte Preis. Auf diesen Sachverhalt meinte die Angestellten, dass man den gewünschten Haarschnitt im Internet kaufen und dann kommen kann. Wir gingen dann zu einem anderen Friseur und dort war es nicht anders. Beim dritten Friseur war es genauso. Dieser erklärte uns dann, dass alle Läden auf diesem System basieren. Der Kunde bestellt sich die Frisur im Internet und legt ein Datum fest. Beim Kauf muss man sich den Friseursalon aussuchen (vielleicht auch den Angestellten?), falls der Laden zu einer Kette gehört und somit mehrere Salons an verschiedenen Orten bestehen. So sind die meisten Friseure wirklich nur dann da, wenn sie Arbeit haben.

Klar, dass unterscheidet sich jetzt vielleicht nicht großartig von Deutschland, wo man bei einigen Friseursalons per Telefon o. ä. reservieren muss. Aber hier muss man sich vorher auf eine Frisur festlegen und den Schnitt bezahlen. Es gibt natürlich auch die Möglichkeit sich die Haare ohne Online-Shopping schneiden zu lassen, aber dann bezahlt man fast doppelt so viel. Außerdem kann es gut sein, dass man dann lange Wartezeiten hat, wenn nur wenige Angestellte anwesend sind (oder auf Abruf erscheinen können). Meine Freundin, die von diesem neuen Trend nichts wusste, wollte weder online eine Frisur kaufen oder für  eine Beratung viel mehr bezahlen. Das bedeutet, dass sie wohl noch ein paar Monate mit ihren langen Haaren leben muss.

07/06/13 - Angenommen zur Übersetzer-Ausbildung

Am Ende von meinem Auslandsjahr 2010/11 traf ich Jan und er erzählte mir von der Übersetzungsakademie im KLTI (Korean Language Translation Institute). Das sei die beste Art um Koreanisch auf einen hohen Niveau zu lernen. Dieser Aspekt, also die Sprache vollständig zu meistern, weckte mein Interesse. Außerdem ist die Ausbildung (bis auf eine kleine Einschreibungsgebühr) komplett kostenlos. Dafür ist es aber nicht so einfach, dort angenommen zu werden. Seitdem ich das erste Mal davon gehört hatte, plante ich mich dafür zu bewerben und in diesem Jahr habe ich es dann tatsächlich gemacht. Die Bewerbung bestand aus drei Stufen:

1. Schriftliche Bewerbung

klti-klein
Diese Bewerbung enthielt eine Selbstvorstellung, Fragen zu meinen Plänen während und nach der Übersetzer-Ausbildung und was meine koreanische Lieblingsliteratur sei. Da fiel mir sofort "Der entstellte Held" von Yi Munyol ein. Bevor ich dieses Buch gelesen habe, hatte ich mich mit einem Buch über die koreanische Politik und wirtschaftliche Entwicklung nach dem Korea-Krieg auseinandergesetzt. Es war sehr anstrengend und trocken zu lesen. Als ich dann Yi Munyols Buch las, merkte ich schnell, dass der Autor die politischen Ereignisse des modernen Koreas durch die Einfachheit eines Klassenzimmers und einer Hierarchie unter Schülern darstellt. So lernte ich, dass ich die Kultur und Geschichte Koreas viel besser durch Belletristik Verstehen lernen kann als durch Kulturratgeber oder Geschichtsbücher.

2. Schriftlicher Test

Die zweite Stufe war ein einstündinger Test, in dem man eine Seite koreanische Literatur ins Deutsche übersetzen musste. Der Text war die Episode aus einem Buch und die Sprache war relativ einfach. Ich hatte keine Probleme mit dem Text. Das Übersetzen machte richtig Spaß, dabei musste ich mich etwas in ten letzten 30 Minuten beeilen. 

3. Auswahlgespräch

Dann zwei Wochen später fanden Auswahlgespräche mit allen, die den Test bestanden hatten, statt. Zwei von drei deutschsprachigen Bewerbern haben den schriftlichen Test bestanden. Ich hatte mich darauf vorbereitet, dass das Interview auf Koreanisch sein wird, weil alle E-Mails und auch die Dokumente zur Bewerbung im ersten Schritt auf Koreanisch ausgefüllt werden mussten. Ich wurde als Erster aufgerufen und zu meiner Überraschung führte das Interview ein koreanischer Lehrer und ein deutscher Lehrer. Zuerst wurden mir ein paar Fragen auf Deutsch gestellt und danach auf Koreanisch. Ich war nervös aber die Interviewer waren sehr nett und führten eher ein lockeres Gespräch anstatt ein hartes Auswahlgespräch.

Heute kam endlich die Entscheidung und ich wurde angenommen. Im September werde ich also eine 1-jährige Ausbildung zum Koreanisch-Deutsch-Übersetzer anfangen. Hoffentlich! Ich hoffe, dass es keine Überschneidungen mit meiner Uni gibt. Die Priorität ist ganz klar das Master-Studium, aber ich hoffe, dass ich die Kurse an der Uni gut wählen kann. Es wird bestimmt anstrengend aber mir macht Übersetzen sehr viel Spaß und gerne würde ich es professionell anwenden. Ich denke auch, dass jetzt die letzte Chance für so etwas ist. Nach dem Master geht es ins Berufsleben und da werde ich dann keine Zeit für die Übersetzer-Ausbildung haben.

21/05/13 - Eine snuische Hochzeit

Snuisch? Was ist das? Wie ihr wisst, studiere ich an der Seoul National Universität oder kurz SNU. An der Uni werden deswegen in Uni-Zeitschriften oder auf Schildern lustige Ausdrücke mit diesen Initialen gemacht. In diesem Beitrag möchte euch vorstellen, wie SNU-Studenten heiraten, also eine snuische Hochzeit.

Am vergangenen Sonntag war ich auf der Hochzeit eines Promotionsstudenten unseres Fachbereichs. Die Hochzeit fand auf unserem Campus statt, aber es war ganz am südlichen Ende drei Kilometer vom Haupttor entfernt. Das heißt, dass man den Bus dahin nehmen musste. Einer meiner Freunde meinte, dass dieser Teil soweit abgelegen ist, dass es gar nicht mehr als Seoul angesehen wird. Ich sah sogar, wo die SNU-Shuttle-Busse geparkt werden. Trotz dieser Lage scheint es ein beliebter Ort für Hochzeiten zu sein. Angeblich können dort nur SNU-Studenten/Personal heiraten und die Termine sind schnell vergriffen. 
Neben den ganzen Gästen waren auch alle Master-Studenten und Geo-Professoren eingeladen. Die meisten Profs haben aber nur ihr Geldgeschenk abgegeben und sie sind ohne sich die Trauung anzuschauen direkt Essen gegangen. Auf dem Altar war das SNU-Logo ganz groß aufgeklebt und die musikalische Begleitung war auf sehr hohem Level. Deswegen glaube ich, dass es sich um Musik-Studenten von der SNU gehandelt hat. 
Was mich wirklich überrascht hat, war, dass die Trauung von unserem Verkehrsgeographie-Professoren durchgeführt wurde. Ein wenig kam es dann wie eine Vorlesung über das Leben als Ehepaar vor, aber es hatte seine Rolle super gemacht. Er ließ es natürlich nicht aus, seiner Rede einen geographischen Bezug zu geben: Es wurde eine Umfrage für den schnellsten Weg zwischen zwei Städten durchgeführt und als Ergebnis kam heraus, dass wenn man mit einer Person, die man liebt, unterwegs ist, die Zeit am schnellsten vergeht. So sollten auch die Frischvermählten den Weg des Lebens gemeinsam genießen und glücklich zurücklegen. 

13/04/13 - Korea in den Medien

Wie natürlich jeder gemerkt hat, ist die Thematik Korea/Nordkorea zurzeit sehr stark in den Medien vertreten. Wahrscheinlich glaubt mir keiner, wenn ich sage, dass es komplett unerklärlich für mich ist. 

Es liegt an dem einfachen Grund, dass jeder in Seoul sein Leben ganz normal weiter lebt und sich wirklich nichts am Alltag in den letzten Wochen verändert hat. Niemand macht Hamsterkäufe oder dreht wegen der Berichterstattung durch. Ein weiterer Grund ist, dass die wahren Nordkorea-Experten auch keine erhöhtes Risiko aus dem Norden sehen. Wenn ich jemanden im Bezug auf Nordkorea vertraue, dann ist es Andrei Lankov. Dieser hat in der New York Times seine Meinung über Nordkoreas Handlungen geschrieben: "Stay Cool, Call North Korea's Bluff". Hauptsächlich sagt er, dass die ganzen Provokationen und Meldungen aus Pyongyang mehr im Kontext gesehen werden müssen. Ebenfalls sagt Lankov, dass das Ausland übertriebener reagiert als es Südkorea tut.

Schaut euch einfach einmal an, wie oft "Korea" in den Schlagzeilen auftaucht (laut Google Trends):


Fällt euch etwas auf? Die Berichterstattung in den letzten Wochen steht in keiner Relation zu den vergangenen drei Jahren. Dabei wurde Ende 2010 eine Insel beschossen und im März 2011 ein Kampfschiff Südkoreas versenkt. Es scheint mir, als ob die Medien sich darauf stürzen, weil es ein so bequemes Thema ist. Man wartet bis Nordkorea etwas veröffentlicht, übersetzt (oder zitiert über Dritte) und schon hat man eine Meldung von einem bevorstehenden Krieg. Es ist bei weitem nicht so gefährlich wie in Syrien, wo eigentlich gerade ein richtiger Bürgerkrieg stattfindet. 

Ich merke auch, dass viele Reporter auf einmal nach Südkorea reisen um live vor Ort zu berichten. Wenn ich deren Berichte mit den schon seit Jahren ansässigen Journalisten vergleiche, merke ich auf jeden Fall einen gewaltigen Unterschied in der Qualität und Tiefe des Berichts. Bei englischen Journalisten habe ich das Gefühl, dass jeder, der als (semi-)professioneller Journalist in Südkorea tätig ist, als Nordkorea-Experte in irgendwelchen ausländischen Interviews auftrat. Egal, ob er sich mit Nordkorea beschäftigt hat oder nicht. 

Macht euch keine Sorgen. Hier ist, wie Andrei Lankov treffend sagt, "business as usual".