11/09/10 - Busan-Gimhae Light Rail Transit

Der kostenlose Shuttle-Bus der Uni fährt bis zur U-Bahn-Station Sasang. Dort wird gerade eine neue Bahntrasse gebaut (부산-김해경전철), die von dieser Station über den Flughafen in Gimhae bis zur Kaya Universität in Gimhae geht.pro_05_img1 Insgesamt ist es eine Strecke von 23 km und es gibt 18 Haltepunkte. Also ein lokaler Transport, der als Anschluss an die Busaner U-Bahn, Busterminal und an Bahnhöfe gedacht ist. Auf der Abbildung ist es die rote Linie, entnommen von dieser Seite.

Die Besonderheit liegt im System: Vollautomatisiert ohne Fahrer, Leichttriebwagen, Geschwindigkeit von 30 bis 40 km/h. Die Wagen sind extrem leicht, bestehen aus Aluminium (Bilder hier). Hört sich echt super an und es würde jedem Geographen gefallen so etwas zu planen. Aber irgendwie ist die Integration der Bahntrasse in das Straßenbild überhaupt nicht gelungen. Mein Professor würde sich sehr aufregen und mit seinem Zeigefinger herum-schwenken. Die folgenden Bilder sind nicht für schwache Raumplaner-Magen geeignet:
2010-09-11 10.41.43 2010-09-11 10.49.28
Ich schätze die Höhe der Anlage auf gute zehn Meter. Der massive Eingriff in das Stadtbild wird hoffentlich deutlich. Dadrunter können eigentlich nur Parkflächen angelegt werden. Die Kosten von 645 Millionen Dollar sind bestimmt wegen dieses Hochbaus so hoch. Aber was gäbe es für Alternativen? Wir lernten eigentlich immer, dass die städtebauliche Integration wichtig ist und der öffentliche Verkehr Priorität vor dem Pkw bekommen sollte. Somit stellt sich mir die Frage: Warum können nicht einfach die Schienen in die Straßen integriert werden? Größtenteils verläuft die Trasse neben normalen Verkehrsstraßen. Im rechten Bild ist eine Haltestation zu sehen, die auch locker etwas kleiner ausfallen könnte und somit kaum Treppenstufen nötig wären. Aber wie überqueren die Autos dann die Gleise? Gut geschaltete Schranken könnten den Vekehr regeln. Selbst bei einer hohen Taktung wäre es kein allzu großes Problem. Als Konsequenz wäre aber dann auch für die Züge eine langsamere Fahrtgeschwindigkeit. Immerhin klappt der Verkehr in sehr vielen Städten weltweit mit Straßenbahn sehr gut. Genau, im Endeffekt wäre es nichts Anderes als eine Straßenbahn. Übrigens sind Straßenbahnen etwas, was ich hier noch nie gesehen habe. Jedoch erinnere ich mich, dass auf alten Bildern von Seoul (von der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts) Straßenbahnen zu sehen sind und ebenso in ein paar Filmen ist es enthalten. Im nächsten Frühling soll die Strecke in Betrieb genommen werden.

Kommentare:

Christopher hat gesagt…

Wofür zur Hölle baut man für eine Leichttriebwagen-Bahn mit Geschwindigkeiten von 30-40km/h eine Hochbahntrasse? Das wären genau die Eigenschaften einer Straßenbahn...

Jens-Olaf hat gesagt…

Vielleicht sind es die Abstände, die Haltestellen folgen schnell aufeinander. Das Stadtbild ist kaum betroffen. Absoluter Stadtrand in Gimhae in der ersten Hälfte über der Straße nach Busan. Zweite Hälfte biegt über den Fluß ab bis zur Endstation. Für die Passagiere 'ne nette Sightseeing Tour. Das Stadtbild ist eh an der Strecke für die Katz. Eher gewinnt Gimhae was Urbanes.

Nikola hat gesagt…

Die Angabe der Geschwindigkeit ist bestimmt die mögliche Höchstgeschwindigkeit, die in der Realität wahrscheinlich nur an wenigen Streckenabschnitten erreicht wird.
Naja, ich finde, dass das Stadtbild bei Sasang massiv beeinflusst ist. Wie es in Gimhae ist, weiß ich nicht. Außerdem ist dann auch das Landschaftsbild zwischen den Städten negativ geprägt. Heutzutage sollten eigentlich riesige Betonblöcke nicht die Urbanität ausmachen. Z.B. beim "renaturierten" Fluss Cheongechon, mitten in Seoul, ist viel Grün angelegt worden, viel sanftere Elemente und recht simpel (aber intelligent) gemacht. Urbanität sollte eigentlich vor allem durch bestimmte Funktionen (Erholung, Transport etc.) hervorgebracht werden.

Jens-Olaf hat gesagt…

Man müsste mal eine Begehung der Strecke aus landschaftsplanerischer Sicht machen. Der erste Teil geht übrigens an so einem renaturierten Fluss entlang, der zweite biegt scharf Richtung Busan ab und geht entlang der Grenze zum Delta, ein Abzweig geht noch Richtung Flughafen. Einmal überkreuzen sich zwei Linien übereinander über der Straße. Für die Fahrgäste müsste da schon ein Art Gondel-Gefühl aufkommen.

Nikola hat gesagt…

Dann sollten wir einmal eine Begehung machen ;)

Jens-Olaf hat gesagt…

Wir wohnen übrigens noch bis Oktober in Gimhae, ziehen dann nach Haeundae um. Vorher oder später könnten wir das mal in Angriff nehmen. Ich verlasse diese Stadt nur ungerne, obwohl viele Busaner aufstöhnen, wenn ich Gimhae sage. Das Argument, hier kann man alles mit dem Fahrrad machen, führt nur zu Achselzucken.