02/05/11 - Praktikumssuche eines Geographen in Korea

Seit Ende Januar war ich auf der Suche nach einem Praktikumsplatz in einer Firma im geographischen Bereich in Korea. Damit wollte ich mein Auslandsjahr abrunden und in meinem Studium ist ein Pflichtpraktikum vorgesehen, welches ich bis zum fünften Semester gemacht haben muss. Firmen zu finden war wirklich kein Problem. Im Internet ist mittlerweile jede Firma und Organisation vertreten (und auffindbar). Ebenso gibt es bei der deutsch-koreanischen Handelskammer und der Europäisch-Koreanischen Kammer (EUCCK) Listen mit allen internationalen Firmen, wovon einige auch in Frage kamen. Wenn keine Kontakt-Adresse angegeben war aber mir die Firma wirklich gefallen hat, dann habe ich auch per Post eine Initiativbewerbung geschickt. So habe ich mich bei über dreißig Firmen beworben, überall erfolglos. Meistens bekam ich gar keine Antwort auf meine Anfrage. Dabei dachte ich vorher, dass es einfach wird ein Praktikum zu finden. 
Aber in Südkorea ist der Stil des Praktikums nicht so wie in Deutschland. Auf Koreanisch heißt es "인턴사원" (oder auch "인턴쉽", eigtl. das Englische "internship") und eigentlich dient es hier für einen Berufsstart. Jemand macht hier drei Monate ein Praktikum und wird dann von der Firma übernommen/abgelehnt. Deswegen strengen sich die Praktikanten extrem stark an, schlafen manchmal sogar im Büro und tuen ihr Bestes bei minimalen Gehalt. Jedenfalls habe ich nur sechs Wochen Zeit für ein Praktikum, was auch wieder etwas unattraktiv für viele Firmen ist. Einen Geo-Professor hatte ich auch gefragt, da er Kontakte zur Busaner Stadtverwaltung hat. Aber er meldete sich nicht bei mir. Das heißt wahrscheinlich, dass es auch nicht geklappt hätte. Letzte Woche begab ich mich dann noch einmal auf die Suche und über eine der tausenden New City-Projekten bin ich auf eine sehr interessante Firma gestoßen. Ich schickte meine Bewerbung und bekam gleich am nächsten Tag eine Antwort. Ein paar Fragen kamen und dann sollte ich einmal vorbeikommen, um mich vorzustellen. Deswegen war ich heute dort und es gefiel mir gut. Das ist vor allem Glück gewesen, weil einer der Leiter seinen Doktor in Deutschland gemacht hat und deswegen positiv gegenüber Deutschland eingestellt ist. Die Firma hat 250 Mitarbeiter und ist in einem meiner Lieblingsbereiche, dem Verkehr, tätig. Leider ist es außerhalb von Seoul und jeden Tag werde ich in einfache Richtung knappe zwei Stunden brauchen, also vier Stunden pro Tag alleine in der U-Bahn. Zur Vorbereitung muss ich noch ein paar Sachen klären und dann werde ich hoffentlich viele nützliche Erfahrungen machen!

Kommentare:

Sophie hat gesagt…

Hattest du nicht auch irgendwas anderes durch einen Bekannten in Aussicht? Was war/ist damit?

Hm, da gewöhnst du dich ja an den koreanischen Alltag. Schön lang pendeln (oder ist das nur ein Vorurteil?). Und zur Not hilft im Büro schlafen. :P

Nikola hat gesagt…

Da wurden die Regelungen geändert und deswegen werden dort generell keine Praktikanten mehr genommen.

Naja, keine Ahnung, ob alle Koreaner viel pendeln. Wenigstens ist das U-Bahn-Netz sehr gut. Viele Menschen verbringen ihre Zeit gerne in Seoul und geben alles dafür, einen Job in Seoul zu haben, aber nicht alle können sich dort eine Wohnung leisten. Daher kommt es zu vielen Pendlern, aber das ist ja in einigen deutschen Gebieten genauso. Frankfurt, München und Köln.