08/10/12 - Abschluss in Korea, was folgt?

Auf der Exkursion nach Ulsan und Busan nutzte ich die Chance um meinen besten Freund aus dem Austauschjahr zu treffen. Selbstverständlich war es über die Distanz nicht so einfach Kontakt zu halten und er ist kein Typ von Kakao Talk-Chats oder langen Mails.
Nachdem er im letzten Frühjahr seinen Abschluss in Englisch auf Lehramt gemacht hatte, arbeitete er in der Küche eines Deokbokki-Restaurants. Das gab er zwischenzeitlich dann auf und das Einzige, was ich durch gelegentliche Chats wusste, war, dass er wenige Tage nach unserem Treffen einen neuen Job anfangen würde. Beim Treffen erzählte er mir dann, dass er nach der Zeit beim besagten Restaurant sogar für einige Wochen auf einem Straßenstand Essen verkauft hat, und jetzt einen Job in einer Bäckerei gefunden hat. Arbeitszeit sei von 7 bis 19 Uhr, bei sechs Tagen in der Woche und einer Bezahlung von um die 750 Euro im Monat. Als er mir das sagte, war ich richtig perplex und geschockt. Wie kann ein Hochschulabsolvent so enden?
Ich habe schon oft darüber gelesen, dass die Quote von Uni-Absolventen sehr hoch in Südkorea ist und gleichzeitig gibt es nicht so viele gut bezahlte (= Bezahlung von Durchschnittsgehalt) Jobmöglichkeiten. Viele Absolventen arbeiten dann in sehr schlecht bezahlten Bereichen für den gesetzlichen Mindestlohn, oder sogar darunter. Irgendwie war es echt schockierend, dass eine vertraute Person auch dazugehört. Hinzu kommt, dass er, wie überall hier, für seine Ausbildung hohe Studiengebühren bezahlen musste. Leider hatten wir nur 30 Minuten Zeit und ich wusste auch nicht wirklich, was ich dazu sagen wollte. Zu der Geschichte gehören, glaube ich, auch familiäre Angelegenheiten, von denen ich nichts weiß. Er wohnt seit längerer Zeit bereits in einem Goshiwon, einem kleinen Zimmer, wo ich es auch nur sechs Wochen ausgehalten habe. Sein Onkel hat eine relativ gut laufende Firma nördlich von Seoul. Dort möchte er aber nicht hin, obwohl er mich mit Interesse fragt, wie das Leben in Seoul so ist. Von vorne herein wollte er nie Lehrer werden und gerne möchte er im nächsten Jahr mit Working Holiday Visum nach Australien oder auch nach Europa, dort vielleicht das Gelernte anwenden.
Seit dem Treffen plagt mich das irgendwie und mit diesem Beitrag wollte ich meinen Gedanken ein wenig Luft machen und die Sache reflektieren. Außerdem möchte ich jeden mit einer verklärten, verträumten Sicht über Korea zeigen, dass hier nicht alle Gangnam Style leben und der koreanische Alltag nicht wie ein K-Drama aussieht.

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