13/04/13 - Korea in den Medien

Wie natürlich jeder gemerkt hat, ist die Thematik Korea/Nordkorea zurzeit sehr stark in den Medien vertreten. Wahrscheinlich glaubt mir keiner, wenn ich sage, dass es komplett unerklärlich für mich ist. 

Es liegt an dem einfachen Grund, dass jeder in Seoul sein Leben ganz normal weiter lebt und sich wirklich nichts am Alltag in den letzten Wochen verändert hat. Niemand macht Hamsterkäufe oder dreht wegen der Berichterstattung durch. Ein weiterer Grund ist, dass die wahren Nordkorea-Experten auch keine erhöhtes Risiko aus dem Norden sehen. Wenn ich jemanden im Bezug auf Nordkorea vertraue, dann ist es Andrei Lankov. Dieser hat in der New York Times seine Meinung über Nordkoreas Handlungen geschrieben: "Stay Cool, Call North Korea's Bluff". Hauptsächlich sagt er, dass die ganzen Provokationen und Meldungen aus Pyongyang mehr im Kontext gesehen werden müssen. Ebenfalls sagt Lankov, dass das Ausland übertriebener reagiert als es Südkorea tut.

Schaut euch einfach einmal an, wie oft "Korea" in den Schlagzeilen auftaucht (laut Google Trends):


Fällt euch etwas auf? Die Berichterstattung in den letzten Wochen steht in keiner Relation zu den vergangenen drei Jahren. Dabei wurde Ende 2010 eine Insel beschossen und im März 2011 ein Kampfschiff Südkoreas versenkt. Es scheint mir, als ob die Medien sich darauf stürzen, weil es ein so bequemes Thema ist. Man wartet bis Nordkorea etwas veröffentlicht, übersetzt (oder zitiert über Dritte) und schon hat man eine Meldung von einem bevorstehenden Krieg. Es ist bei weitem nicht so gefährlich wie in Syrien, wo eigentlich gerade ein richtiger Bürgerkrieg stattfindet. 

Ich merke auch, dass viele Reporter auf einmal nach Südkorea reisen um live vor Ort zu berichten. Wenn ich deren Berichte mit den schon seit Jahren ansässigen Journalisten vergleiche, merke ich auf jeden Fall einen gewaltigen Unterschied in der Qualität und Tiefe des Berichts. Bei englischen Journalisten habe ich das Gefühl, dass jeder, der als (semi-)professioneller Journalist in Südkorea tätig ist, als Nordkorea-Experte in irgendwelchen ausländischen Interviews auftrat. Egal, ob er sich mit Nordkorea beschäftigt hat oder nicht. 

Macht euch keine Sorgen. Hier ist, wie Andrei Lankov treffend sagt, "business as usual".

Kommentare:

tobid001 hat gesagt…

Vielen Dank für das Lagebild,

vielleicht hilft das ein paar Leuten hier in DE, die im Gegensatz zu den Koreanern gerade Hamstkäufe gemacht haben, nochmal ein bisschen klarzukommen.
Weiter so und --- stay cool!
Außerdem hoffe ich mal, dass du weiter allen Grund behältst, cool zu bleiben.

Nikola Medimorec hat gesagt…

Danke! Du weisst wahrscheinlich am besten, wie weit ich mich mit Nordkorea auskenne. Deswegen lasse ich mich nicht so leicht aus der Ruhe bringen. ;)

하이네 hat gesagt…

Hi, vielen dank für den tollen Artikel. Ich war seiner Zeit ebenfalls in Südkorea und auch noch danach, so ernst die Provokation im ersten Moment scheint umso weniger schenkt man folgenden Provokationen über den Zeitverlauf eine Beachtung, damit ist nicht die politische Beachtung gemeint. Agressoren sollten schon wahrgenommen werden.

Grüsse

Heine www.maschita-tee.de

Sebastian hat gesagt…

Du hasst vollkommen Recht. Ich finde, wenn man in den deutschen oder internationalen Medien von Korea hört, dann ist das fast immer im Zusammenhang mit dem Konflikt im Norden. Dabei interessiert es im Süden niemanden, wenn im Norden wieder mal nach Aufmerksamkeit gesucht wird. Es ist schon erstaunlich wie normal die Menschen in Seoul damit umgehen. Das Land hat soviel zu bieten und sollten von den Medien anders dargestellt werden. Das würde sicherlich auch Südkorea helfen. Und irgendwann dann auch dem Norden.